Das Konzept

Pädagogische Konzeption - Kurzfassung (in Überarbeitung gemeinsam mit dem Qualitätsausschuss, Frühjahr 2017)

Situationsorientierter Ansatz

Das Tollhaus ist dem situationsorientierten Ansatz verpflichtet, d.h. wir orientieren uns an der alltäglichen Situation der Gruppe und des einzelnen Kindes. Im Vorder­grund steht hierbei, dass die Kinder und die Erwachsenen sich in einen gemeinsam getragenen Lern-, Erfahrungs- und Kommunikationsprozess begeben.

Freispiel

In unserer Einrichtung legen wir viel Wert darauf, dass den Kindern Zeit für Freispiel einberaumt wird. Freispielzeit ist immer auch Lernzeit. Die Kinder bekommen die Möglichkeit, aus eigenem Antrieb wirksam zu sein, Erlebnisse, Erfahrungen und Im­pulse zu verarbeiten, Erfolge und Misserfolge zu erleben, und erhalten Gelegenheit zum eigenständigen Forschen. Kinder lernen, voneinander und miteinander. Neben dem Schwerpunkt des Freispiels finden im Tollhaus eine Vielzahl von Angeboten, Aktionen und Projekten statt.

Sozialerziehung

Im Tollhaus lernen die Kinder erstmals, sich in einer Gruppe zu bewegen, sich durch­zusetzen, auf andere und ihre Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, Regeln und Ver­einbarungen zu akzeptieren, sich auf Beziehungen mit den Erfahrungen von Distanz und Nähe einzulassen, Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz zu entwickeln. Durch kleine altersgemäße Aufgaben und Aufträge, die die Kinder im Tollhausalltag selbst bewältigen, wird ihre Persönlichkeit und Selbstständigkeit, ebenso wie das Selbstbewusstsein entwickelt und gestärkt. Eine wichtige Kompetenz im Bereich der Sozialisation der Kinder ist für uns die Sprachfertigkeit. Ohne diese Fertigkeit ist es in Gemeinschaften schwer, Kontakt aufzunehmen und den eigenen Bedürfnissen Aus­druck zu verleihen. Wir wollen bei den Kindern die Lust und Freude am Sprechen wecken und erhalten. Deshalb bieten wir ihnen eine Vielzahl an Sprachförderungs­möglichkeiten an. Unser Ziel ist es, das Kind anzunehmen mit allen Schwächen und Stärken und ihm die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten.

Eingewöhnung

Die meisten Kinder kommen mit etwa 1½ Jahren ins Tollhaus. Ein guter Einstieg erlaubt ihnen, schnell eine positive, stabile Beziehung zu den Erzieherinnen und der Gruppe aufzubauen. Anfangs begleitet ein Elternteil das Kind ins Tollhaus, um später den Gruppenraum bzw. das Tollhaus erst für kurze Zeit, dann zunehmend länger zu verlassen. Spätere Wechsel von der kleinen in die große Gruppe (mit ca. 3-3½ Jah­ren) und von der großen Gruppe in den Hort (mit der Einschulung) bewältigen die Kinder ohne elterliche Unterstützung, nicht nur weil sie älter und zunehmend selbst­ständig werden, sondern auch, weil sie die anderen Kinder und Erzieher/innen schon recht gut kennen. Grundsätzlich werden Neuankömmlinge in allen Gruppen von den jeweiligen Erzieher/innen besonders intensiv beobachtet und betreut, um den Inte­grationsprozess abzusichern.

Gruppenübergreifende Betreuung/ Angebote

Im Tollhaus sind die Gruppen bewusst nicht altersgemischt, damit Tagesrhythmus, Bedürfnisse und Interessen der Kinder innerhalb der Gruppen besser ausgeglichen werden können. Dennoch ist es wünschenswert, dass die Kinder in Kontakt kommen und Erfahrungen mit deutlich Jüngeren oder Älteren machen. Gegenseitige Rück­sichtnahme ist uns dabei sehr wichtig. Im Früh- und Spätdienst werden die Kinder der großen und kleinen Gruppe gemeinsam betreut. Alle Kinder können zusätzlich auf Wunsch und nach Absprache zwischen den Erzieher/innen einen Besuch in einer anderen Gruppe machen. Auch für die Erzieher/innen besteht die Möglichkeit, in ei­ner anderen Gruppe zu hospitieren. Außerdem gibt es einzelne gruppenübergreifen­de Angebote und gemeinsam gefeierte Feste.

Naturerfahrung/ umweltbewusste Erziehung

Ein wichtiger Bestandteil der pädagogischen Arbeit im Tollhaus sind Naturerfahrun­gen und umweltbewusste Erziehung. Wir möchten den Kindern gezielt viele Möglich­keiten geben Natur zu erfahren, ihren Bewegungsdrang auszuleben und kreative Spiele mit Naturmaterialien zu entwickeln – gerade als Ausgleich zum Leben in der Großstadt. Im Alltag wird versucht, den Kindern umweltbewusstes und verantwortli­ches Verhalten vorzuleben und zu vermitteln. Die Kinder haben die Möglichkeit, aktiv an der Pflege und Gestaltung unseres unweit gelegenen Gartengrundstücks mitzu­wirken und es finden jede Woche Ausflügen in den Wald statt. Jährlich wird in der großen und der kleinen Gruppe zusätzlich ein ein- bis zweiwöchiges Waldprojekt durchgeführt.

Bewegungserziehung

Wir bieten den Kindern Gelegenheiten, sich selbstständig mit ihrer Umwelt auseinan­der zu setzen, ihrem Alter entsprechend möglichst selbstbestimmt zu handeln und ih­ren Bewegungsbedürfnissen nachzugehen. In allen Gruppen werden sowohl drinnen als auch draußen Bewegungsangebote gemacht. Unsere Kinder besuchen z.B. die umliegenden Spielplätze, gehen in den Wald und Garten oder in den Musik- und Rhythmikraum. Je nach Altersgruppe werden Fahrzeuge und Geräte angeboten, z.B. Bobbycar, Plantschbecken, Bälle, Springseile, Stelzen, Tischkicker, Einrad etc.

Künstlerische Tätigkeiten

Im Tollhaus legen wir großen Wert darauf, dass die Kinder Freude bei der künstleri­schen Tätigkeit haben und dass alle Sinne angesprochen werden. Wichtig ist uns außerdem das soziale Miteinander und die Förderung der feinmotorischen Geschick­lichkeit. Durch regelmäßige künstlerische Arbeit wird die Selbstständigkeit und Aus­dauer der Kinder gestärkt. Im gemeinsamen Tätigsein lernen unsere Kinder, nicht nur die eigene Arbeit zu sehen, sondern die der Anderen zu akzeptieren und zu schät­zen. In allen Gruppen gibt es frei zugängliches Material zum Malen und Gestalten. Zusätzlich werden in allen Gruppen regelmäßig altersspezifische Angebote gemacht, z.B. die Malhöhle und die Malwerkstatt. Das Tollhaus verfügt über ein eigenes Kin­deratelier im Nebenhaus.

Rhythmisch-musikalische Erziehung

Musik kann die Kinder auf verschiedene Weise ansprechen: Sie bringt Ruhe und Ausgeglichenheit, schult die Aufmerksamkeit, das Gehör und den stimmlichen Aus­druck und regt zu ganzheitlicher spontaner Bewegung an. Im Tollhaus ist das ge­meinsame Singen, Musizieren und Bewegen zu Musik wichtiger Bestandteil des Ta­gesablaufes. Eine besondere Rolle spielt die Musikschule für die große und kleine Gruppe, bei der die Kinder einmal wöchentlich Reigen, Spiel- und Bewegungslieder einüben und den Umgang mit Orffschen Instrumenten erfahren. Von den Eltern orga­nisiert und finanziert findet im Musikschulraum nachmittags regelmäßig Instrumental­unterricht statt, an dem Kinder der großen Gruppe und des Horts teilnehmen können.

Medien

Die Medien, die das Tollhaus seinen Kindern anbietet, sind Bilderbücher, Bücher, Hörspiele und Lieder in Kassetten und CD-Form. Im Hort kommen noch Comics hinzu. Jede Gruppe hat einen eigenen Bereich, wo die Medien untergebracht sind und in Ruhe verwendet werden können (Leseecke). In diesem Bereich stehen die Medien im Vordergrund und Kinder, die sich dort mit etwas anderem beschäftigen, müssen Rücksicht auf die Lesenden nehmen. Die Pflege und Werterhaltung der Me­dien – v.a. der Bücher – ist uns dabei sehr wichtig. Die Medien sollen nach dem Ver­wenden wieder an ihren Platz gebracht und auch nicht herum geschmissen werden. Im Allgemeinen gilt bei uns die Regel, dass alle Medien bewusst und kritisch genutzt werden sollen. Gleichzeitig CDs oder Kassetten hören und Bücher anschauen geht nicht. Es ist für uns selbstverständlich, sich mit dem Gesehenen, Gehörten und Gele­senen kritisch auseinander zu setzen und die Kinder zum Hinterfragen anzuregen.

Sexualität

Sexualerziehung ist bedeutend mehr als nur Aufklärung. Es geht uns um Körper, Ge­fühle und soziale Fähigkeiten. Wir achten auf den Entwicklungsstand eines jeden Kindes und gehen situativ auf Fragen und Geschehnisse ein. Wichtige Ziele sind für uns, dass die Kinder ihren Körper kennen lernen und sich darin wohl und geborgen fühlen. Darüber hinaus versuchen wir ein stabiles Selbstbild mitzugeben, so dass sie sich vor Ungewolltem selbstbewusst abgrenzen können.

Vorschulerziehung

Es ist uns wichtig, dass die Kinder die Möglichkeit haben, sich in einer Gruppe Gleichaltriger zu erleben und sich selbst einschätzen zu lernen. Daraus kann ein positives Selbstwertgefühl entstehen, das für den Eintritt in die Schule von großer Bedeutung ist. Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Vorschul­kinder schulrelevante Fähigkeiten und Fertigkeiten erlernen und einüben können, wie z.B. Konzentration, Ausdauer, fein- und grobmotorische Fähigkeiten, Sprachfertigkeit und eine erhöhte Frustrationstoleranz. Wir legen großen Wert auf eine kontinuierliche Kommunikation zwischen Erzieher/innen und Eltern über Entwicklungsstand und Schulreife der Kinder.

Hauswirtschaftliche Tätigkeiten

Die Tollhaus-Kinder helfen bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten gelegentlich mit, je nach Altersgruppe z.B. beim Tisch decken und abräumen, Kochen oder Backen. Im Hort haben die Kinder einen wöchentlich rotierenden Tisch­dienst.

Mahlzeiten

Im Tollhaus gibt es drei Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen und Vesper. Das Mit­tagessen kochen reihum die Eltern. Zweimal pro Woche übernimmt eine Köchin die Zubereitung des Mittagessens. Wir wünschen uns, dass in der Tollhausküche gekocht wird und die Eltern nur in Ausnahmefällen aufzuwärmende Mahlzeiten ins Tollhaus bringen. Dies schafft Kontakt und eine familiäre Atmosphäre. Prinzipiell le­gen wir Wert darauf, dass die Mahlzeiten im Tollhaus qualitativ hochwertig und ab­wechslungsreich sind. Zu jedem Mittagessen gehört Salat oder Rohkost. Fleisch-, Wurst- und Milchprodukte stammen aus biologischer Erzeugung. Kinder, die etwas nicht mögen, werden nicht zum Essen gezwungen, sie sollten aber zumindest probieren.

Pflegerische Tätigkeiten/ Hygiene

Die pflegerischen Aufgaben der Erzieher/innen variieren naturgemäß je nach Alter der Kinder. In der kleinen Gruppe ist die pflegerische Zuwendung am intensivsten. Windelkinder werden regelmäßig gewickelt, Kinder, die mit dem Klo­training begonnen haben, zu den Kindertoiletten begleitet. Wir helfen den Kindern falls nötig beim Hände und Mund abwaschen, beim Zähne putzen und an- und ausziehen. Durch Anleitung und Hilfestellung werden die Kinder nach und nach dazu hingeführt, diese Aufgaben selbstständig zu erledigen.

Verkehrserziehung

Da das Tollhaus im verkehrsreichen Stuttgarter Westen liegt, sehen wir es als eine unserer vorrangigen Aufgaben an, die Kinder fit für die Stadt zu machen. Entspre­chende Angebote und das Einüben fester Regeln durchziehen den pädagogischen Alltag aller Gruppen wie ein roter Faden.

Ausflüge

Ausflüge sind ein fester Bestandteil im Alltag des Tollhauses. Sie sorgen für Ab­wechslung und vermitteln neue Eindrücke, fördern das Sozialverhalten und stärken das Gemeinschaftsgefühl. Zur kulturellen Förderung gehören gelegentliche Theater-, Museums- oder Bibliotheksbesuche, im Hort auch ein Besuch im Kino .

Jahresrhythmus und Feste

Feste sind für unsere Kinder Haltepunkte, die dabei helfen, Jahresrhythmus, Jahres­kreislauf und die Jahreszeiten zu erleben. Feste im Tollhaus, Natur-, Kultur- und persönliche Feste, verbinden und vereinen uns (Kinder, Erzieher/innen und Eltern) und bringen Freude in unser Leben.